SATIRISCHE SAGEN

Alte Törbjer Sagen

Törbel besitzt einen beachtlichen Sagenschatz, schrieb Siegfried Wyss im Buch TÖRBEL Dorf und Pfarrei.


In den letzten Jahren hatte der Nacherzähler intensiven Kontakt zu alteingesessenen Törbjern. Gar manche Sagen wurden bei einem Gläschen Wein und oft auch hinter vorgehaltener Hand erzählt. So ist es nicht schwer, aus diesem Fundus einige Sagen auszuwählen, die auch in der heutigen Zeit durchaus eine gewisse Relevanz haben könnten.

Verbindungen zu lebenden Personen sind rein zufällig und nie gewollt. Wer sich an der Nase nehmen will, dem ist das natürlich freigestellt.

Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der Mächtigste im ganzen Land Land?

Sagen sind nie die reine Wahrheit, zu lange wurden sie immer wieder und auch verändert weitererzählt.  Im Bernbiet gibt es den Spruch; -vom ghöre säge lehrt me lüge-. Sagen sind Geschichten, ob sie sich je so zugetragen haben wie sie zur Unterhaltung vorgetragen werden, das ist mindestens zu bezweifeln und auch sehr unwahrscheinlich.


Heisse Geschichten mit aktuellen Fakten zwischen den Zeilen



Früher gab es einige Handwerksgesellen, die ihre Dienste wandernd durch die Welt anboten. Nebst den bekannten Hamburger Zimmerleuten waren u.a. auch die Scherenschleifer und die Kesselflicker unterwegs.

Die Kesselflicker begaben sich auch auf sehr abgelegenen Wegen zu den Orten, wo Käse hergestellt wurde, denn da oder dort gab es schon mal ein Kupferkessi, das einen Schaden hatte.

So zog vor langer Zeit auch einmal so ein Kesselflicker mit seinem schwer beladenen Maultier nach Törbel. Beim Käser klopfte er an und fragte, ob es etwas zu reparieren gäbe. Und tatsächlich kam ein Kessi defekt von der Alp zurück. Der Kesselflicker nahm es mit und brachte es drei Wochen später geflickt zurück. Doch als es um das Bezahlen der Reparatur ging, da entbrannte ein Streit. Der Käser wollte unbedingt mit einem Laib Käse bezahlen, der Kesselflicker aber wollte Silbertaler. Der Käser war ein bauernschlauer Walliser und wollte dem Kesselflicker einen Laib Käse andrehen, von dem er wusste, dass er nicht gerade von erster Qualität war. Der Kesselflicker nahm schlussendlich den Käse und machte sich fluchend davon.

Ab sofort ging in der Käserei alles schief was schieflaufen konnte und der im geflickten Kessi hergestellte Käse war ungeniessbar. Man suchte den Kesselflicker Land auf Land ab und als man ihn fand, da überreichte der Präsident der Käsereigenossenschaft dem Kesselflicker seinen Lohn in Goldmünzen. Der Kesselflicker widerrief seinen Fluch und der Bergkäse gelang wieder wie eh und je. Seither hütet man sich in Törbel, fremde Handwerker zu betrügen, was nicht heisst, dass es immer noch einige schamlose bauernschlaue Kerle gibt, die Fremde so gut wie möglich über den Tisch ziehen.



Wann sich die zwei Törbjer Brüder wie Eringer Kampfkühe gegenüberstanden, dann gab es stets auch Zuschauer. In dieser Sage war es der majestätische Dom 4545 m/M, er thront zwischen dem noblen Zermatt und dem etwas weniger mondänen Saas-Fee. Der Mattermatter und der Saasmatter waren seit Lebzeiten gar arg zerstritten und wünschten sich bei Gebeten gegenseitig den Besuch des Satans. Warum sie sich so inständig hassten, das wussten sie und ihre acht Schwestern wohl selbst nicht mehr so genau. Es mochte vermutlich um eine geringe nie bereinigte Erbschaft gegangen sein. Mehrere Pfarrherren versuchten vergeblich beim Beichten schlichtend einzugreifen, der Zwist überdauerte auch bei den Nachfahren über mehrere Generationen Eringer Kampfkühe.

Bei einem, wegen einer neuen Seuche verbotenen, Tanzanlass kamen sich zwei der später Geborenen in die Quere, es ging um ein hübsches Mädchen aus Emd. Sie stritten lautstark und wurden von den anderen Tanzsüchtigen aus dem Stadel gewiesen. Sie sollten die Sache draussen auf Eringer Art unter sich ausmachen. Zuerst hörte man noch fürchterliche Schreie und Flüche, dann wurde es auch in der Scheune stumm und mäuschenstill. Was jetzt geschah verwunderte die jungen Leute sehr. Durch die sich knarrend öffnende Stalltüre trat ein greises Gotgwägjini mit einem langen weissen Bart ein. Seine Hände und sein Gwand waren Blut verschmiert und unter dem Arm trug er den Kopf seines Bruders. Der Tanz wurde augenblicklich abgebrochen und man spricht noch heute über den Brudermord im Schopf von Terbil.



Einst regierte in Törbel ein braves Mannjii mit Froww und Chint aus Terbil als Gwaltshaber. Er war ein erprobter Redner und schon viele Jahre im Amte. Auch in der weiteren Region und im ganzen Wallis kannte man den tüchtigen Geschäftsmann als schlauen und erfolgreichen Strippenzieher. Am Stammtisch und an Versammlungen der Obrigkeit wirkte er dominant und liess ausser seiner eigenen Meinung wenig zu oder gelten. Was ihm nicht in den Kram passte, das wischte er ohne zu zögern vom Tisch und degradierte die Beisitzer zu gefügigen Nickern.

Doch einmal geriet er heftig an einen eingebildeten Üsserschwiizer, der zufällig im Dorfteil Bachtoli Wohnsitz nahm. Der aufsässige Typ verlangte zu gewagten Aussagen des Gewaltshabers von der Obrigkeit beglaubigte Dokumente. Das kam, beim sich der Widerrede nicht gewohnten Mann, gar nicht gut an. Es entwickelte sich nach und nach eine gewisse Feindschaft der beiden Rechthaber. Die erprobten Kampfhähne scharten jeder auf seine Art ihnen beipflichtende Bürger um sich. Von beiden Gruppen wurden kuriose Geschichten in Umlauf gebracht. So verlor der Gewaltshaber langsam aber stetig an Macht in seinem Hoheitsgebiet. In einer dunklen Nacht wurde unter seinen Anhängern bei Kerzenschein und Wein vereinbart, man wolle den üblen Kerl loswerden und hinter die Grimsel oder die Furka vertreiben. Das musste nicht umgesetzt werden, denn der Narr wurde eines Morgens ob Furen zwischen Mossji und Rafgarto an einem dürren Baum aufgehängt vorgefunden. Seine Seele fand in der Ewigkeit die gewünschte Ruhe nicht und so trat der Verblichene fortan als Geist immer dort auf, wo sich der Gewaltshaber seine Pfründen sichern wollte. Dieser erschrak jeweils derart heftig, dass er eines Tages an einer solchen Sitzung unverhofft verstarb. Seit da wurde der Geist des Üsserschwiizers in Törbel und bis nach Sion herunter nie mehr gesehen. Mit einer Ausnahme. Im tiefen Winter stellten Bewohner des Biel fest, dass sich gegen Mittelnacht unten bei Friedhof vorbei eine vom verstorbenen Gewaltshaber angeführte Totenprozession bewegte. Drei Schritte nach dem letzen kurzzeitig Auferstandenen schritt rückwärtsgehend der Geist des Üsserschwiizers und er winkte zu den Beobachtern an den Fenstern mit einer Sense in den Händen, als würde er hämisch sagen wollen; «schaut, Ihr habt mich auf eurem Gewissen».



Im Biel zu Terbil gab es ein Hitilti in dem es angeblich gewaltig spuken sollte. Man nannte das winzige nur über einen engen dunklen Durchgang und einige steile Treppenstufen erreichbare Blockhäuschen aus sehr alter Zeit, früher das Möndli. In den Vollmondnächten sollte es im Möndli wie bei einem schweren Erdbeben rumort haben und aus dem einzigen kleinen sowie niedrigen Stubeli soll gebückt ein in orangem Gwand gekleideter kahler Riese auf die Terrasse getreten sein. Das Monsterwesen habe dann Nächte lang den Mond mit Feuer angespuckt und ihn rot gefärbt. Umliegende Stadel verfielen, weil aus Angst vor dem Möndli-Riesen niemand Nachbar des Ungeheuers werden wollte. Im Untergeschoss des Hitiltis hielt der übergrosse und sprachlose Bewohner einige Hühner. In den Vollmondnächten erschienen diese als gewaltige Geier in den engen Gassen von Törbel und so blieben die ängstlichen Menschen hinter gut verschlossenen Türen.

Das Möndli heisst heute Sünneli und steht noch heute leer und es lehnt sich an die Ruine eines verfallenen Speichers an.



Der Mond spielt in vielen alten Walliser Sagen eine prägnante Rolle, so auch bei der Geschichte vom mutigen und weisssagenden Alp Knecht.

Auf dem Feegletscher soll ein Berg erprobter Nachkomme vom Ötzi gewirkt haben, von dem man mit grösster Ehrfurcht spricht und sein geistiges Erbe wird nach wie vor in gewissen Kreisen geschätzt sowie neuerdings auch wieder neu belebt.

Man nannte ihn den Alp Knecht, obwohl er eigentlich der König des Gletschers war. Mutig übersprang er bergab tiefe Gletscherspalten, als wären es nur kleine Ritzen. In einem vorher nie dagewesenen Tempo erreichte er die Talsohlen um sogleich wieder ganz oben auf den Gipfeln zu stehen.

Eines Nachts aber stolperte er am Allalingletscherabbruch und verletze sich schwer. In seinem Kampf ums Überleben legte er vor Gott ein Gelübde ab. Würde er überleben und geheilt, so wolle er sich auf ewig um die göttlichen Bergwälder kümmern und die Gletscher nie mehr betreten. Der Herr nahm das Gelübde an, versprach ihm Gesundheit und Kraft sowie, dass er die Waldgrenze weit nach oben verschieben werde um dem Alp Knecht Platz zur Erweiterung der Wälder zu geben. Der Alp Knecht wurde bald gesund und dachte intensiv darüber nach, wie er sein Versprechen umsetzten könne. So kam er auf die Idee, dass man gesunde Bäume nur noch bei abnehmendem Mond im Dezember schlagen dürfe. Das Holz sei so hochwertiger und der Wald würde anders genutzt und dadurch geschont. Die Förster hatten zuerst keine Freude an der Idee, doch nach und nach richteten sie sich nach den Regeln des Alp Knechtes ein. Da wo man sich aus Sturheit nicht anpassen wollte, da sind die Wälder unterdessen krank. Die vielen vertrockneten Bäume zwischen Stalden-Saas und Törbel zeigen die Folgen. Der einst prächtige Bergwald stirbt. Heute ist Mondholz ein wissenschaftlich nachgewiesener Begriff. Gott hielt auch Wort, die Waldgrenze steigt und steigt von Jahr zu Jahr kontinuierlich an.



Elsy war im Oberwallis seit jeher gut bekannt. Ihr Alter war nicht zu erfahren, denn mehrere Generationen von Anwohner zwischen dem Eggis- und dem Augstbordhorn kannten Elsy nur als immer die gleiche steinalte Nomadin. Elsy ging die uralten Wege der Säumer, sie mied die Strassen und Dörfer und sprach mit niemandem ausser mit ihrem sie begleitenden grauen Hirtenhund. Und doch kannte sie jeder zwischen den Sonnenterrassen Bettmer- und Moosalpe.

Einige gwündrige Mädchen kamen auf die Idee, man wolle der Elsy einmal versteckt auflauern und sehen was es da zusehen gäbe. Ewig würde doch niemand leben. Etwas Angst hatten die Gören trotzdem, denn Elsy könnte ja eventuell auch einfach ein Geist sein.

Also legten sie sich im äussern Vispertale, da wo sich die Törbler Rebberge befinden, hinter einem Rebbauhäuschen auf die Lauer. Die recht lange Warterei hat ihre Geduld strapaziert und sie wollten gerade aufbrechen, als sie hörten, wie ein Gehstock im Gleichtakt den Weg, nicht weit von ihnen entfernt, erkundete. «Die Elsy kommt», flüsterten sie sich zu und schauerten vor Angst und Erwartung.

Sie getrauten sich nicht aus dem Versteck, doch schnüfelnd schaute mit aufgestellter Mähne plötzlich ein riesiger Wolf zu ihnen. Das Tier sprach in Walliserdiitsch die erschreckten Mädchen an und sagte, «i bis Mannjii vo der Elsy und bschütze mis Frowwy, chömmet eus nie meh id Queri». Heulend verschwand das Raubtier, genauso wie es gekommen war.

Von da an bis heute wandeln Elsy und ihr angeblicher Hund unbelästigt auf den alten Pfaden im Oberwallis hin und her. Einziger Unterschied zu früher, aus dem Wolf ist ein stattliches Rudel geworden.

Warum die Seele der Elsy als Geist nicht zur ewigen Ruhe kommen konnte, darüber hört man die folgende Geschichte: «Vor langer Zeit, als es den Simplontunnel noch nicht gab, begegnete Elsy einem italienischen Schmuggler, der über den Passo di Moro nach Norden unterwegs war. Elsy machte den müden und durstigen Italo mit Heida Wein betrunken und verkaufte ihm einen uralten Zwergziegenbock als ein selten zu erhaltenes Schwarzhalsziegenlämmchen. Zur Strafe für den üblen Betrug müsse sie nun auf ewige Zeiten mit dem Wolf zusammen als Nomadin unterwegs sein».



Noch heute erzählt man in Törbel schreckliche Geschichten über den falschen Kinderfreund, der ziemlich abseits, oben auf der Rindermatten in einem schiefen Hiischi gewirkt haben soll.

In einer Mönchskutte verkleidet soll er bei der Kapelle der heiligen Anna böses mit Kindern angestellt haben. Den schwer missbrauchten Opfern verbot er mit der Drohung des Todes für die ganze Sippe, niemandem auch nicht dem Pfarrer im Dorf, kein Sterbenswörtchen darüber zu berichten, was er mit ihnen getrieben hatte.

Von einem jungen Mädchen, wohl so vierzehn Jahre alt, wird erzählt, dass es sich vom lustigen Kind gar schnell zu einer sehr verschlossenen Person gewandelt habe. Es sprach nicht mehr mit anderen Leuten und man munkelte, dass es eventuell schwanger sei, was einige Monate später durch die Geburt eines Jungen bestätigt wurde. Vor dem Rat und dem Gewaltshaber sowie dem aus dem Tal herbeigerufenen Tschugger wollte es unter keinen Umständen berichten, wer der Vater des Kindes sei.

Auf dem Totenbett lüftete es aber seinem unter dessen erwachsenen Sohn das Geheimnis. Noch vor der Beerdigung der Mutter, machte sich dieser auf um im Hiischi auf der Rindermatten Ordnung zu schaffen. Kurz gesagt, der falsche Kinderfreund liegt auf dem Friedhof neben dem Mädchen, dessen Ehre er geraubt hatte.



Etwas abseits von Furen gibt es ein von Bäumen gut getarntes Plätzchen, das früher unter der Jugend als das Paradiesli bekannt war. Unter einem Felsvorsprung geschützt gab es ein Brett, das als Sitzbank für Verliebte gedient hat und an den Felsen angelehnt war eine herzförmige Steinplatte, der man magische Kräfte nachsagte.

Gar mancher Bund fürs Leben soll im Paradiesli be- und geschlossen worden sein. Das Besondere an der Angelegenheit sei, dass bis heute keine einzige Scheidung von einer Ehe bekannt geworden ist, wo die Ringe über den Herzstein rollend getauscht wurden. Wurde das Ritual nicht eingehalten, so ging es früher oder später schief in der Beziehung.

Um das Paradiesli herum verlief eine Suone, von der man sicher war, dass sie geweihtes Wasser führte. Hat sich ein Paar gegenseitig im heiligen Wasser die Füsse gewaschen, so war reichlich Nachwuchs garantiert. 



Verwandtschaft

In weit abgelegenen Bergdörfern des Wallis, gab es zu Zeiten wo noch viele Kinder die einfache Schulbank drückten kaum eines, das nicht auf irgendeine Art mit allen andern verwandt war. Beim Studium der Geburts- oder Sterberodel war leicht auszumachen, das ganze Nest ist miteinander verschwägert und verwandt. Doch ein rothaariger Junge mit stahlblauen Augen;bestätigte das Sprichwort, "keine Regel ohne Ausnahme". Vom Namen her war soweit alles in bester Ordnung, nur seine äusserlichen Merkmale passten einfach so gar nicht zur sonst homogenen Gruppe. Eines Tages;brachte der Postbote einen Brief aus Russland auf die Kanzlei. Gar gerne hätte er diesen heimlich geöffnet und herausgefunden, was da aus fernen Landen berichtet wurde. Die Neugierde war auch beim Schreiber gross und die Verwunderung noch grösser. Ein Vladimir Russikow schrieb von einem ehemals deutschen Kriegsgefangen übersetzt, dass er der Vater eines Jungen im Dorfe sei, der zwar den Namen eines anderen trüge und nannte den Familiennamen, den Geburtstermin, den Ort und noch viel mehr. Um wen es sich handelte, das war dem Schreiber sofort klar. Jetzt ist der Schuss draussen. murmelte er und liess den Gewaltshaber rufen, denn das Schreiben aus Sibirien hatte ja auch noch eine durchaus sehr brisante Mitteilung.Er, Vladimir sei durch einen politischen Umsturz zufällig zu sehr viel Macht und Vermögen gekommen und gehöre nun zu den Oligarchen des Landes. Da er ausser dem Kuckuckskind keine Nachkommen habe, möchte er seinen leiblichen Sohn gerne adoptieren und ihn an seinem riesigen Vermögen teilhaben lassen. Man möge ihm mitteilen, wie das zu bewerkstelligen sei. Der Rat der Weisen in Törbel war damit überfordert und so wurde ein rechtsgelehrter Anwalt in Brig damit beauftrag die Sache zu klären. Dieser hatte einen Bruder in der Walliser Regierung und alsbald wurde die Angelegenheit zur Staatssache erklärt. Die Gelegenheit einen reichen Ehrenbürger zu schaffen wollte man sich nicht entgehen lassen.Wie die Sache ausging ist streng geheim. Sicher scheint nur zu sein, dass sich einige rechtschaffenen Herren ihre Vorteile gesichert haben.



Es wird berichtet, dass es früher in den Grundmauern des alten Backhauses etwas sehr Sonderbares zu hören gab. Hätte man den mit Mörtel und Natursteinen befestigten Keller betreten, so sei stets eine klagende Männerstimme zu hören gewesen, die immer fort gesagt habe «ich bin der Franz, lasst mich raus. Da die Brot backenden Frowwen sich nicht mehr ins Backhaus getrauten und nach einen neuen Ofenhaus verlangten, nahm sich der Herr Pfarrer der Sache an und begann die alten Bücher nach einem verschollenen Franz zu durchsuchen. Er wurde fündig. Ungefähr zurzeit als vor über hundert Jahren das Backhaus erstellt wurde, da verschwand ein Bauarbeiter namens Franz spurlos von Fleck. Im Armenrodel wurde bis zu diesem Zeitpunkt festgeschrieben, dass dem Franz immer wieder geholfen werden musste, weil er offensichtlich Arbeiten begann aber nicht zu Ende führte.

Der Vorsteher wollte der Sache auf den Grund gehen und so begann man in die Klagemauer dort Löcher zu schlagen, wo man sich der Stimme an nächsten wähnte. Irgendwann wurde das Klagen immer lauter und schliesslich fand man fest in die Mauer eingeschlossen ein Skelett. Man entfernte die Knochen und mauerte die Gruft wieder zu, Von da an und bis heute ist es im Backhauskeller um den redseligen Franz ruhig geworden.

Die Knochen vom Franz wurden an der Friedhofsmauer verscharrt. Es gibt Leute die bezeugen, wenn man nachts dort vorbei gehe, so können man leise hören «ich bin der Franz lasst mich raus



Vom Flaschengeist wird seit Jahrhunderten gesagt, solange er in der Flasche verharrt, soll er freundlich und nicht schädlich sein. Wird die Flasche aber geöffnet, so tritt er unkontrolliert aus und verbreitet sich schnell überall dort, wo er willkommen geheissen wird. Sein wildes Treiben hat dann wirklich fatale und überall sichtbare Folgen.

Vor langer Zeit kam der Flaschengeist in einer Karaffe Wein vom äusseren Vispertale gut getarnt auch in Törbel an. Das arme Maultier das ihn nach Törbel hochgetragen hat, verstarb bald darauf aus unerklärlichen Gründen. Der herbeigerufene Viehdoktor meinte; «äusserlich könne er keinen Schaden erkennen, es müsse wohl die Leber gewesen sein». Der Flaschengeist wurde nicht erkannt und an eine Feste konnte er still und leise entfliehen. Seitdem besucht er gerne einsame Figuren und nistet sich in Küchen und Stuben sowie verborgenen Kellern ein. Seinen Gastgebern ruiniert er die Gesundheit und das wirtschaftliche Gleichgewicht, macht sie und ihre Familien unglücklich.

Einigen willensstarken Opfern gelang es, den Geist lokal einzufangen und wieder unschädlich zu machen. Sie sollen der heranwachsenden Jugend ein Vorbild sein.



An einem beinahe unbekannten sowie steilen Felsen auf dem Gemeindegebiet von Törbel, da soll eine kleine goldene Glocke hängen, über die, in alten und längst vergessenen Chroniken, seltsame Geschichten berichtet werden.

Oben im Goms, wurden schon im 18, Jahrhundert Glocken gegossen und einmal soll ein besonderer Auftrag erteilt worden sein. Ein recht scheuer und inkognito auftretende Mann wünschte, dass für ihn eine kleine Glocke aus purem Gold gegossen werde. Er brachte die Skizzen und das Rohmaterial in 6 Goldbarren zu je einem Pfund Gewicht gleich mit und der Glockengiesser nahm den Auftrag zuerst zwar zögernd, dann aber trotzdem an. «Die Glocke habe einen wunderbaren hellen Klang und man könne sie sicher weitherum hören, wenn sie angeschlagen würde», meinte der stolze Handwerker bei der Übergabe. Der Kunde nahm sie sorgfältig an sich und wurde im Goms nie mehr angetroffen.

Es wird erzählt, der ehemalige Besitzer der Glücksglocke hätte in Campione im Kasino gut abgeräumt und sei mit einem schwer beladenen Maultier in Törbel erschienen. Seitdem hört man im Dorf unten immer öfters die Glockentöne erklingen. Es trifft sich, dass das Geläute stets dann erschallt, wenn einem naiven Üsserschwiizer gegen Gold eine stark überteuerte Immobilie verschrieben wird. Dieses Gerücht trifft sich mit der Annahme, die Glocke sei tatsächlich aus Bronze gegossen und nur hauchdünn vergoldet worden.



Im frühen Mittelalter hiess das Weisshorn Schwarzhorre, denn zu dieser Zeit war der Berg noch von Eis frei und der schwarze Fels gab ihm den Namen.

In alter Zeit gab es im Furen zu Terbil eine Weinschenke namens Schwarzhorn und seine erste Wirtin war Babettlji. Nach der Sperrstunde war Babettlji immer fleissig im Keller beschäftigt, denn es kannte eine Methode, wie man aus Heidenwein den neuartigen Johannisberger machen konnte. Bald wurde die Schenke zur Gaststube Johannisberg umbenannt. Als eines Abends ein Gast Babettlji auf frischer Tat ertappte, da wurde es aus Terbil vertrieben. Direkt gesehen wurde Babettlji nie mehr, aber es gibt die Sage, dass es als verlorene Seele solange als Magd bei all den Betrogenen dienen müsse, bis dass das Weisshorn wieder zum Schwarzhorre werde.

Dank dem Klimawandel wird es nicht mehr allzu lange gehen, bis man das Weisshorn ein weiteres Mal umtaufen muss und Babettlji von seiner Last befreit wird.



Viele alte Sagen aus dem Alpenraum handeln um die Strohpuppe des Sennentuntschis, die auf unerklärliche Weise zum Leben erweckt wurde. Oben zwischen der Moosalpe und dem Augstbordhorn, auf Boden der Gemeinde Törbel, da soll sich der Geist eines Sennentuntschis herumtreiben, der dem amerikanischen Bigfoot oder dem Yeti aus dem Himallaya ähnlichsehen würde.

Auch die Sennen der Moosalpe haben sich aus Frust über das Fehlen weiblicher Gespielinnen ein Sennentuntschi gebastelt. Als Kopf diente eine aus dem Lötschental herbeigeschaffte Holzmaske mit tierischen Zügen. Den Stoffrumpf aus Käsetüchern stopften sie mit Heu voll, das durch und durch mit getrockneten Heilkräutern vermischt war.

Es wird berichtet, wenn sich ein Senn gar etwas zu intensiv mit dem fein duftenden Tuntschi vergnügt habe, dann hätten sich die Füsse des Tuntschis in Bärentatzen gewandelt und sein Körper hätte menschliche Formen angenommen und es sei wahrhaftig lebendig geworden. Es wäre dann schnell zum nächsten Käser geflüchtet, wo es das Käselager in kürzester Zeit vernichtet hätte. So sei man übereingekommen, man wolle das Tuntschi loswerden und vernichten. Soweit kam es nicht, denn die Puppe war plötzlich nicht mehr auffindbar und keiner der Älpler konnte oder wollte sagen, wo sie geblieben ist.

Sobald die Moosalpe mit Schnee bedeckt ist, findet man seither immer wieder riesengrosse Fussabdrücke, die von einem Fabelwesen stammen müssen. In Törbel geht nun die Angst um, der Yeti vom Augstbordhorn könnte eines Tages bis ins Dorf herunterkommen und hier grossen Schaden anrichten. Deshalb wurde vom Gemeinderat unter kundiger Führung seines Präsidenten, aus schiesstüchtigen Mitgliedern der Jägerschaft eine Kommission gegründet, welche zum Ziel hat, den Yeti zu jagen. Bisher jedoch ohne sichtbaren Erfolg, im Gegenteil. Anlässlich einer Treibjagt auf den Bigfoot wurde von einem Gemsjäger, der nicht mehr so gut sah, mit einem Treffer mitten ins Herz ein Weisser Elefant erlegt. Mit Kollateralschäden muss man rechnen, meinte der Präsident, anlässlich der Jahresfeier des Jägervereins.



In einem gut getarnten und versteckt zugänglichen Gewölbekeller, da trafen sich regelmässig die fünf Mitglieder der geheimen Bruderschaft der Weintäufer.

Seit jeher bestand die verschworene Gesellschaft aus fünf verschwiegenen Glaubensbrüdern. Nur wenn einer von ihnen zu Grabe getragen wurde, konnte ein neues Mitglied in die Bande aufgenommen werden. Zwingende Voraussetzung war, der Winzer musste dafür bekannt sein, dass er immer etwas mehr Flaschen abfüllte, als dass das Fassji eigentlich hergegeben hätte. Im Weiteren musste der Kandidat wie im Ort üblich, mit allen gemeinsame Vorfahren haben.

Im Loch, wie der Keller unter den Täufern genannt wurde, da hängt zwischen zwei Regalen eine alte französische Stahl Uhr aus dem 18. Jahrhundert an der Wand. Das Pendel ist 2m lang und es hängen drei Gewichte an drei Seilen. Zwei wären für das Glockengeläute zuständig, doch sie sind blockiert, zu laut würden die Glocken den Viertel-, Halb- und Stundenschlag verkünden. Das Gewicht am mittleren Seil ist für den Lauf des Uhrwerkes zuständig und darüber sowie die Uhr wird mit grosser Ehrfurcht berichtet.

Ein strammer Herrgottsgrenadier hätte die Uhr einem verirrten französischen Krieger, der im Unterwallis herrschenden Savoyern, abgenommen und ihn mit dem Gewicht der Mitte erschlagen. Kam die Uhr zum Stillstand, weil das Gewicht nicht rechtzeitig nach oben gezogen wurde, dann starb jeweils ein Mitglied der Loge. Deshalb achtete man peinlich darüber, dass das Gewicht nie den Boden berührte, damit nicht einer der Brüder unter genau diesen Boden kommen musste.

Einmal kam eine Seuche ins Tal und viele, vor allem ältere Menschen, starben ohne einen anderen Grund. Die tödliche Krankheit erfasste auch die Gruppe der Weintäufer und so blieb die Uhr für immer stehen.  Bisher hat sich niemand getraut die verhexte Uhr im Loch aufzuziehen und seither wäre auch im Wallis das Panschen von Taufwein eigentlich verboten.



Am hohen Gericht gab es einmal einen Richter, dessen Urteilsprüche bemerkenswert waren.

Ein bekannter scharfzüngiger Lästerer verkündete Im Gasthaus zur Post des kleinen Ortes unter anderem «der halbe Gemeinderat ist total korrupt».

Er wurde wegen Verleumdung und übler Nachrede verklagt und musste vor dem besagten Richter erscheinen. Dort wiederholte er standhaft seine Aussage.

Urteil des Richters: "Der Angeklagte wird dazu verurteilt, in einem Inserat der Lokalzeitung kundzutun, «der halbe Gemeinderat ist nicht total korrupt».

Das Urteil wurde wohlwollen angenommen und ab da lästerte der Verurteilte überall herum «der halbe Gemeinderat ist nicht total korrupt».



Um die im Jahre 1544 vom Baumeister Ulrich Ruffiner in Stalden gebaute Kinbrücke gibt es mehrere gruselige, aber auch die schöne Sage von einer glücklichen Familie aus Törbel.

Ein kinderloses Paar besuchte in Eisten einen Einsiedler, von dem man wundersame Dinge erzählte. So wird gesagt, dass dieser alte Eremit die Traurigkeit wegen fehlendem Nachwuchs vertreiben könne und sich nach einem Besuch bei ihm nicht selten auch der Kinderwunsch erfüllen würde.

So wanderte einst das Paar aus Törbel auf die abgelegene Alp ob Eisten und klagte dem verständnisvollen Mann ihr Leid. Er fühlte, dass sich das Ehepaar mit grosser Liebe begegnete und versprach für sie zu beten und Hilfe zu erflehen. Sie sollten getrost nachhause zurückkehren, aber sie müssten unbedingt um Mitternacht in der Mitte der Kinbrücke innehalten und sich innigst umarmen.

Mit grosser Hoffnung begaben sie sich auf den Pfad zurück nach Törbel. Wie abgemacht und versprochen standen sie um Mitternacht bei grösster Dunkelheit auf der Brücke und hörten unten das Rauschen der Zermattervispe. Sie umarmten und küssten sich und da geschah das Unglaubliche. Es wurde urplötzlich für einen kurzen Moment taghell und eine Stimme sprach zu ihnen. «Geht den Weg nach Törbel und freut Euch auf ein Kind». Alsbald wurde es wieder stockdunkel. Die beiden Glücklichen gingen erwartungsvoll den Säumerweg zurück in ihr Heim oben in Törbel.

Sie wurden nach neun Monaten glückliche Eltern eines Stammhalters. Seitdem trifft man in mondlosen Nächten zu Mitternacht immer wieder von weither angereiste Liebespaare auf der sagenhaften Kinbrücke, die im Volksmund oft auch die Kindbrücke genannt wird.



Einmal vor langer Zeit, da hatte Terbil unverhofft hohen Besuch, ohne dass es von den Einheimischen gebührend wahrgenommen wurde.

Anlässlich einer interkonfessionellen Antikriegskonferenz, in der oft Frieden stiftenden Stadt Genf, kam ein ranghoher Buddhist aus dem hohen Himalaja Gebirge in die Schweiz. Ein frommer Mann offerierte dem Würdenträger einen Wunsch zu erfüllen. «Er möchte ein einfaches urchiges Bergdorf besuchen, wo die Menschen genau so friedlich zusammenleben wie in seiner Heimat den Tibet». Friedlich und urchig, beides zusammen an einem Ort, das war nur schwer zu finden. Der bescheidene Wunsch wurde ihm teilweise erfüllt und so reiste man inkognito zusammen ins Wallis und nach Terbil.

Der Mönch war sofort überzeugt, dass Terbil das Mandala von Heruka vom wahren Mount Kailash im Zentrum von Europa zukünftig repräsentieren könne. Hier in diesem friedlichen Dorf, solle ein buddhistischer Tempel und ein Retreatzentrum errichtet werden.

Beides wurde danach mit viel Eifer umgesetzt und so zog alsbald der gelebte Buddhismus auf der Sonnenterrasse ein. Seither pilgern stille Besucher aus aller Welt nach Terbil. Ein alteingesessener Törbjer ist davon überzeugt, dass die Orangen, wie er die seltsam gekleideten Mönche und Gäste nennt, die ältesten drei Walliser, den Neid/die Missgunst und die Hab-/Machtgier sowie die hinterhältige Verdreht-/Bosheit, eines Tages aus dem Ort verjagen werden. Zu hoffen wäre es wenigstens.



Viele Jahre vor dem grossen Erdbeben im Vispertal vom 25. Juli 1855, wurde auf der See Matte tatsächlich ein tiefblauer See errichtet. Ein gewisser Seematter kam zu grosser Ehre und Macht, in seinem Übermut verlangte er von den Untertanen, dass auf der See Matte ein mindestens 5 ha grosser See zu seinen Ehren errichtet werden solle. Was den Pharaonen in Ägypten die Pyramiden, das sollte das Gewässer für den Seematter sein.

Unter grossen Opfern für die Bürger, wurde Seematters See errichtet und war alsbald das Ziel von Seevögeln und anderem Seegetier.

Am Tage des verheerenden Erdbebens brach der Erddamm und eine riesige schwarze Schlammlawine wälzte sich den Berg hinab in Richtung von Zeneggen. Sie hinterliess zusätzlich zu den Schäden des Erdbebens eine weitere trostlose Landschaft.

So verschwand das Seematterdenkmal für immer aus der Natur, nicht aber aus dem Köpf von einem späteren Machsthaber, der den Seedamm gerne hätte neu aufbauen lassen. Die meist armen Bürger wollten aber nicht wieder einkalkulierte Opfer erbringen und so blieb es bis heute bei der Planung des Vorhabens.



Eine bekannte Gemeinderätin im Tal nannte oft den Begriff "mega güet". Was damit eigentlich gemeint ist, das verstand so ziemlich niemand. Ein interessiertes Mädchen fragte nun den Schullehrer, was es mit "mega güet" so an sich hätte. Der in Mathematik nicht besonders bewanderte Schulmeister sagte:

«Mega güet ist das Gleiche wie huere güet»., damit war die Sache geklärt. Modernes Walliserdjiitsch hat so seine Tücken. In Masseinheiten bedeutet mega übrigens eine Million.

Die gleiche Amtsperson reklamierte bei einer Baueigabe, dass die Dachneigung vont 22° nicht der reglementarischen Vorschrift von 40% Steigung entspreche. «100 x Tangens Alpha = %, liebe Kollegin» sagte der anwesende Geometer in einem hüere güeten Fachchinesisch.



Noch auf Törbjer Boden, aber schon gegen Bürchen hin, da wohnte in einem baufälligen Stadel eine alte Froww genannt das Chäsmarjili. Sie hatte nur ein schon beinahe biblisch altes Schwarznasenschaf und erschaffte trotzdem täglich ein Mutschli Alpkäse.

Die Schafhirten auf der Moosalpe wunderten sich schon lange, wie das Marjili es schaffte, mit nur einem steinalten Milchvieh so viel Käse zu produzieren.

Als ein neidischer Hirt die Käserin einmal beobachtete, so sah und hörte er, wie sie durch einen komplizierten Zauberspruch das Mutschli herstellte.

Einige Zeit später, als das Marjili einmal ausser dem Hiischi war, schlich sich der Hirt zum Schaf in ihren Keller und versuchte es auch einmal. Doch er sprach den Zauberspruch im Mossalpedialekt nicht korrekt und es ging total schief. Das angebliche Milchschaf wandelte sich zu einem ausgewachsenen und sehr aggressiven Schwarzhalsziegenbock und verjagte den Hirten, dem fortan selber Hörner gewachsen sein sollen.

Bis zur heutigen Zeit wurde nie wirklich abgeklärt, ab Marjilis Mutschtli aus Schaf- oder Ziegenmilch hergezaubert wurden.



Ende des schwarzen Mittelalters, als die Kirche das Philosophieren wieder mehr oder weniger toleriert hat, da lebte am Bachtoli ein selbsternannter Philosoph namens Eirik. Der Name setzt sich zusammen aus altnordisch «aen» allein und «rikr» Herrscher, Eirik also gleich Alleinherrscher. Kinderarbeit war damals normal und auch Eirik wurde von der Schule ferngehalten und als Hirtenjunge auf die Alpen des Augstbordhorns verdingt. Als Eirik erwachsen wurde, so sehnte er sich vergebens nach einer Frow. Der wortgewaltige Denker war den Mädchen suspekt, nicht weil er in etwa übel aussah, nein einfach nur, weil er ohne jegliche Schulbildung trotzdem lesen und schreiben konnte. Niemand hat von dem auf Dauer zum ledig sein verdammten Eirik je erfahren, wo er diese Künste erlernt hat. Man wusste auch nicht, wie nebst der lateinischen Bibel noch andere Bücher nach Törbel ans Bachtoli kamen. Vermutlich waren es die im Dorf suspekten Besucher oder auch bekannte Geistliche aus dem Tal, die beim Eirik ein und aus gingen. Fragte man den Eirik was es mit diesen Gästen so an sich habe, dann meinte er immer nur «wir philosophieren». Was das Wort bedeutet, das haben seine Nachbarn nie verstanden.

Im Haus des Eirik selig wohnen noch heute gebildete Nachfahren der Sippe und betreiben das Hobby des Philosophierens.



Einst war ein Ritter, der hoch zu Pferd nach Italien in den Krieg zog und von dort nicht wiederkehrte. Da er im Leben ein arger Geizhals und zudem ein Bösewicht war, konnte er im Grab keine Ruhe finden. Also kehrte er als Pützi in seine Heimat das Wallis zurück, um seine Schätze zu bewachen, die er auf der Moosalpe vergraben hatte. Der Pützi ist ein kleines, graues Männchen, das Wanderer nur allzu gerne in die Irre führt.

Er vertrieb sich seine Zeit mit Neckereien, zu den Lieblingsbeschäftigungen dieses dickbäuchigen, bärtigen Männleins gehörte es, Wanderer mit Steinchen zu bewerfen, ihnen ein Bein zu stellen oder Mädchen an den Zöpfen zu ziehen. Obwohl ehemals ein Ritter, Mut und Ehrlichkeit gehörten nicht zu seinen Stärken. Pützis findet man übrigens fast überall im Wallis. Man sollte also genau darauf achten, wohin man tritt, um nicht etwa einen listigen Pützi aufzuwecken.Übrigens, viele gültige Gesetze und Reglemente sind voller Pützilöcher und erst kürzlich sei auch in Törbel ein Pützi angetroffen worden.



Auch das abgelegene Walliser Bergdorf Törbel erlebte Zeiten, wo das traditionelle Roggenbrot knapp wurde und sich die Bevölkerung vom Hungertuch ernähren musste.

So kam es wie an anderen Orten, dass viele junge Männer in der Seele erschüttert bei Nacht und Nebel den Ort verlassen mussten und sich auf eine lange beschwerliche Reise ins Ausland begaben. Einige wenige kehrten später wohlhabend in ihr Heimatdorf zurück, andere kamen schon auf der Überfahrt nach nirgendwo um oder sie starben verarmt in fremden Ländern.

Einem Sohn der Sippe der Karlen gelang eine bemerkenswerte Karriere und er erschien im Alter von bald siebzig Jahren wieder in Törbel. Längst glaube man ihn als verschollen, doch auch in Törbel gab es Tote die etwas länger lebten als angenommen wurde.

Er nannte sich JFK Joseph Ferdinand Kalberer, spracht nur noch schlecht den lokalen Dialekt und hatte etwelche Mühe sich wieder in die geschlossene Gesellschaft einzugliedern. JFK machte in Amerika als Hotelfachmann und Hans Dampf in allen Gassen Furore. Es war ganz offensichtlich, dass JFK wohlhabend war und so stürzten sich die Geier auf den als arglos eingestuften Rückkehrer. Doch so ganz bedeppert wie die Schlauen dachten, war JFK nicht. Heimlich und mit Bedacht kaufte er in Törbel ein Objekt nach dem anderen zusammen und ohne, dass es gross publik wurde, mauserte er sich langsam aber stetig zum eigentlichen Dominator des Dorfes.

An das Tageslicht kam sein Wirken, als er der verdutzen Gemeinde mitteilte, er wolle als weitsichtiger Pionier, von Stalden-Saas nach Törbel und als Ersatz für die gefährliche Strasse, eine Seilbahn bauen lassen. Lauten Protest gab es nicht, man wollte es mit JFK nicht verderben, im Hintergrund wurde er aber als grössenwahnsinniger Spinner betitelt.

Die Seilbahn wurde zu Lebzeiten von JFK und bis heute nie gebaut und wird wohl auch nie errichtet werden. Im Gegensatz zu Pfarrer Imseng in Saas-Fee, spricht in Törbel niemand mehr von JFK und seinen visionären Projekten.



Im Goms, da wo es saftige Alpwiesen und viele Milchkühe gibt, wohnte einmal ein frischer Melker. Der hörte, dass es auf der Riedfluh ob Törbel gar unheimlich zugehe. Kein Hirt wolle mehr auf dieser Alp seine Tiere sömmern, da die letzten Mutigen und ihr Vieh ihre Anwesenheit mit dem Leben bezahlen mussten. Offensichtlich wurde auf der Riedfluh eine geheime Alpwirtschaft betrieben. Man hörte das Geläute von Kuhglocken, man sah blauen Rauch aus dem verrufenen Haus aufsteigen, aber nie bekam man einen Älpler zu Gesicht. So mied dann alle Welt die todbringende Alp.

Der junge Melker aus dem Goms fürchtete sich nicht und sagte am Stammtisch in Törbels Gasthaus, dass er dem Spuk auf der Riedfluh ein Ende bereiten wolle. Als Lohn verlangte er, ein Mädchen nach seiner Wahl aus Terbil ehelichen zu dürfen.

Man versprach ihm die Braut und er machte sich auf den Weg zur Riedfluh auf. Dort oben erwartet ihn niemand. Es war keine Herde zu sehen noch, dass sich jemand in der Alphütte bewegte. Mutig trat er so dann in das Hiischi ein und rief «ist jemand da, so soll er sich zeigen». Er durchkämmte den ganzen Stadel, fand aber niemand. Dann schrie er in das offene Kamin «Feigling Geist, zeige deine Fratze».

Da trat hinter dem Ofen eine fürchterliche Gestalt hervor und kicherte, «wenn Du mich befreien kannst, dann soll Die die ganze Alp sowie das Haus und das Vieh gehören». Der Melker musste dem teuflischen Geist zur Befreiung sein erstgeborenes Kind versprechen, was er ohne zu zögern auch tat. Der wahrhaftige Tjifel verschwand und auf der Alp der Riedfluh war unvermittelt eine grosse Herde prächtiger Milchkühe zu sehen.

Als nun reicher Mann kehre er nach Törbel zurück und verlange als Lohn die Tochter des Dorfvorstehers. Das Paar erhielt bald Nachwuchs, doch das Kindlein starb kurz nach der Geburt, Das Klagen der Mutter soll noch heute zu hören sein, wenn wieder ein Kind im Dorf geboren wird.



Auf dem Oberbiel an der Hohlen Gasse stand eines der ältesten Häuser von Törbel, früher das Heidenhaus genannt, eigentlich war es damals mehr ein Hiischi als ein Haus. Über mehrere Hundert Jahre war es immer im Besitz der alteingesessenen Sippe der Törbjer Karlen. Über Generation wurde in der Familie berichtet, dass im Hiischi irgendwo ein Schatz vergraben sei, doch gefunden wurde er trotz intensivem Suchen nicht. Die Familie wuchs stetig und aus Platzmangel wurde man rätig, man wolle das Hiischi aufstocken und erweitern. Der schräggestellte Abrost und die Stud unter dem Firstbaum mussten weichen, damit das Dach angehoben und weitere Stuben errichtet werden konnten. Ein rechtschaffener Zimmermann aus Herbriggen wurde mit der Bauführung beauftrag. Das war das Glück der Karlens. Der Zimmermann fand nämlich beim Umbau den längst vergessenen Schatz, gut versteckt unter dem Firstbaum. Ehrlich wie er immer war, übergab er den Topf voller Goldmünzen den damaligen Besitzern. Einige Gulden erhielt er als Lohn für sein Wirken, den heute gebräuchlichen Finderlohn gab es damals noch nicht. Dank dem gefundenen Schatz wurden die Karlens wohlhabend, was die Sippe bis heute auch geblieben ist.



Im Mattertal git's mänge Matter

Chaubermatter u Zermatter

äs git au See u Summermatter

Loch u Pfammatter

ja am Matterhorn het's vili Matter

doch eis mues geseit si

dr wahri Matter

dä isch är dr Mani Matter

 

Im Mattertal hinger

 

da git's e psungere Matter

 

dr Kudi Wintermatter

 

er seit er sig dr Züchter

 

vo dr beschte Chuh im Tal

 

er säuber tüii besame

 

sini ghörnte Dame

 

das wärís o scho

 

vom Kudi i der Matte

 

 

 

Im Mattertal gitís no e Matter

 

dr Bruder vom Wintermatter

 

dä isch e gut bekannte Beizer

 

vo obe i Zermatte

 

vom angere Matter seit är

 

mä chön ne schüttle wie me wöui

 

da gheii nüt uf d Matte

 

ja ja so si si

 

die Brüder Wintermatter

 

 

 

Dr Bärg vo de Matter

 

das isch dsíHore i Zermatte

 

ä rentable Hufä Steine

 

drum isch me so rich i dr Matte

 

mit Gletscherbagger präpariert me

 

Piste für Ski Gladiatore

 

doch ds Wätter seit nei nei

 

u so lat mäs de äbe wider si

 

 

 

Im Mattertal hets keini Matter

 

mit em Name Mani Matter

 

me red so dass äs niemer versteit

 

dr Tschugger inklusivä dahei

 

drum lö mer se i Ruh

 

dert obe am Hore

 

güet Nacht ihr Hingermatter

 

seit dr Mani Matter

 

 

 

 

In memoriam Mani Matter

 



Im Buddhismus bedeutet der Weisse Elefant, die durchdrungene Stärke Hindernisse zu überwinden und der Schutz von allen Arten von Übeln und Willkür.

In der Schweiz beichnet man gescheiterte Grossprojekte und Planungsleichen als weisse Elefanten, deren es nicht wenige gibt. Wenn eine Sache keinen Nutzen aber viel Aufwand verursacht, dann spricht man auch von einem weisssen Elefanten.

In Österreich werden nutzlose aber unkündbare Mitarbeiter als weisse Elefanten bezeichnet.

Ein weiser alter Törbjer erzählt die Sage, dass im Dorf von einem Planer, bei dunkler mondloser Nacht und bei dichtem Nebel, eine ganze Herde von weissen Elefanten durch die engen Gassen getrieben würde. So wie sie regelmässig auftauche, so verschwände sie, Gott sei Dank, auch immer wieder. 



Bei den CREE-Indianern Kanadas, gelten die Wendigo's als scheussliche Kannibalen. Das Schlimme an ihnen ist, sie treten oft in Gestalt von Besessenen auf. In streng katholischen Regionen werden dann von Geistlichen - Exorzismus Experten - Teufelsaustreibungen veranstaltet.

Die hiesigen Wendigo's sind aber auch anerkannte Wendehälse, d.h. Personen, die je nach der opportunen Windrichtung ihre Meinung ändern. Verbreitet treten Wendehälse als Politiker oder Stammtischproleten auf.

In Kanada, dem Ursprungsland der Wendigo's, war der Umgang mit ihnen festgeschrieben. Aus Angst vor den Teufeln zogen die Mitglieder eines Stammes gemeinsam zu einer Treibjagd los. Wurde einer gefangen, dann hat man ihn sofort enthauptet oder mindestens die Zunge abgeschnitten. Ein Brauchtum das bei uns offensichtlich ausgestorben ist.



In den vorchristlichen Kulturen, da hatten Hexen einen hohen Stellenwert. Yu-Onna wurde mit dem Wintereinbruch und als Folge mit den Leiden dieser Jahreszeit in Verbindung gebracht. Kälte, Schnee, Lawinen und Hunger gehörten damals zu dieser Jahreszeit. Die lange Dunkelheit trug auch dazu bei, dass Hexen ihr Unwesen treiben konnten.

Die als Yu-Onna bezeichnete Frau weist sowohl Eigenschaften einer Hexe als auch eines Vampirs auf. Sie erscheint als blasse Frau mit langem, weissem Haar. In Winternächten fällt sie durch ihre Nacktheit im Schnee kaum auf. Zudem bewegt sie sich schwebend sowie lautlos und kann sich in eine Nebelwolke verwandeln. 

Männer werden durch die Schönheit ihres Wesens magisch angelockt und verirren sich hilflos im Schneegestöber. Dort entfaltet Yu-Onna ihre teuflischen Kräfte. Am folgenden Morgen findet man die Liebestrunkenen dann als gefrorene Schneemänner in den Gärten ihrer Familien wieder. Sobald die Sonne die Schneefiguren entzaubert hat, erscheinen die Herren reumütig wieder zuhause. - Soweit die Sage -.

Mit dem Einzug des Christentums und den Hexenverfolgungen wurden diese Figuren ein fester Bestandteil der lokalen Kultur. Erscheint über Nacht ein Schneemann im Garten, den nicht die Kinder gebaut haben, dann entstehen schnell mal Gerüchte um eine Yu-Onna im Ort.



Damit eine Eiskunstläuferin auf glattem Eis sensationelle Pirouetten und eine perfekte Kür zeigen kann, braucht sie einen starken Willen, Talent und Haltung.

Es gab einmal eine gebirgige Region in den Alpen, da verstand man Willen und Kür als Willkür. Wilderer haben willkürlich auf alles geschossen was sich bewegt hat und die Obrigkeit hat dies nie gross gekümmert. Damals wurde die Willkür auch als üblicher Standard in der Politik etabliert und der üble Brauch konnte sich bis heute halten. Fremde Fötzel, sogenannte Üsserdörfjer, werden willkürlich und nur auf Zusehen hin geduldet, d.h. maximal bis bei ihnen finanziell nichts mehr zu holen ist.

Die von jeglichem Talent und Anstand befreiten Machtshaber zeigen ihre Pirouetten und die öffentlich bekannte Kür, ungeniert selbst auf glatten Böden. Von Zeit zu Zeit holt sich der eine oder andere dabei eine blutige Nase, der Brauch lebt trotzdem fröhlich weiter. Weniger riskant ist die Machenschaft für strebsame Unholde, die Politik und Wirtschaft gekonnt zu verbinden wissen. Bei ihrem kurzen korrupten Tun, fallen sie offensichtlich immer wieder sowie willkürlich auf die Füsse.

Es lebe der Willen und die Kür, sprich Willkür.



Es gab einmal einen emsigen Planer, der wollte dem Friedhof neben der Kirche einen dem ruhenden Verkehr dienenden Deckel überstülpen. Die Seelen der unter der Erde ruhenden Gebeine vernahmen die Absicht und waren mit dem Vorhaben gar nicht einverstanden.

Einstimmig wurde der Beschluss gefasst, man wolle jede Nacht um zwölf die Glocken der nahen Kirche läuten, bis dass der Aktendeckel des Vorhabens geschlossen werde.

Die aufgebrachten Bürger des Ortes taten dem fleissigen Planer unmissverständlich kund, das mit dem Deckel sei erledigt. Und so rieselt im Winter weiterhin natürlicher Schnee auf die Gräber und die Seelen habe ihre verdiente Ruhe.



In einem ziemlich weit abgelegenen Bergdorf, da lebte vor langer Zeit ein selbsternannter Despote. Er fühlte sich berechtig, über die kleine Dorfgemeinschaft uneingeschränkt zu herrschen. Wie alle Despoten wollte er als Gesetzgeber, Regierender, Kläger, Verteidiger, Richter, Kerkermeister, Henker und Allmächtiger gleichzeitig wirken. In vielen dörflich geprägten Angelegenheiten gelang ihm das recht gut. Einfache Leute hatten Angst vor ihm und fügten sich seiner bösen Zunge.

Doch einmal legte er sich mit einem kecken Grossmütterchen und ihrer aufmüpfigen Sippe an. Die betagte Dame gab ihm hieb und stichfest vor aller Öffentlichkeit den Tarif durch. Es entstand ein Tumult und in der Folge wurde der Despote unter hämischem Gelächter und lauten Schandrufen den steilen Berg hinunter davongejagt. Am Ort wurde er danach nie mehr gesehen.

Generationen später fand ein Schafhirte in einem tiefen Tobel ein Skelett, das von der Forensik dem damaligen Despoten zugeordnet wurde.

Was ist die Lehre aus der Sage?

Lege Dich als gefühlt Mächtiger nie mit den kleinen Mutigen an, denn selbst Goliat verlor gegen David.



Wäre ein Urahne von Erico Blanco nicht von Como ins Wallis gewandert, so würde Erico heute wohl in der Scala Milano als gefeierter Tenor singen. Nun ist sein Sängerplatz im Kirchenchor und das hat auch seine Vorteile.

Der Kirchenchor ist eine grandiose Plattform, wo leicht lokale Nachrichten, Gerüchte und Fake News ausgetauscht und in Umlauf gebracht werden können. Es ist nicht der fachlich einwandfreie musikalische Chorleiter, der die Redaktion von Neuigkeiten beim Apéro und dem Spätkaffee dominiert, nein es ist der Tenor Erico Blanco.

Was man dem Erico vertraulich erzählt, oder was er irgendwo aufschnappt, das weiss am nächsten Tag das ganze Dorf. So spart man sich elegant eine Lokalzeitung mit drei Wochenausgaben. Verträger braucht man keine, Zuträger gibt es genügend.

Aussergewöhnlich ist das nicht, einen Postillon d'Amour gibt es beinahe in jedem Dorf.



In einem Tierheim, da wartetet ein stolzer Gockel auf seine Befreiung und auf einen angemessenen Harem hübscher Hühnerdamen. Lange musste er nicht ausharren, denn eines Tages erschien eine schicke Dame und entführte den Hahn im Korb in ihre Villa am sonnigen Berg.

Ihr schlau gefuchster Ehemann erwarb für die Hühnerweide günstig eine schöne zukünftige Bauparzelle. Er beauftragte den lokalen Baumeister sowie den Zimmermann und Schreiner im Dorf, einen feinen Holzstadel als Hühnerzuhause getarnt zu bauen.

Alsbald hatte der stolze Hahn fünf edle, feine Eier legende Hühnerfrauen um sich. Jedes Tier durfte auf mindestens 500 m2 Weide zum artgerechten Ausgang.

Luxus-Bio-Eier muss man sich leisten können, meinte die Dame des Hauses zu ihrer Freundin. Der Patron dachte eher, eines Tages werden die Eier noch vergoldet.



Vor einiger Zeit da gab es einen alten Grüezi, der war viel zu gutmütig und vor allem sehr naiv, er glaubte an das Gute im Menschen und wurde im Bergdorf Terbil brutal eines Besseren belehrt. Wie ein kleines Kind freute er sich, seinen letzten Wohnsitz ins Dorf am Sonnenhang zu verlegen. Dort wollte er eines Tages glücklich sterben. Die Freude war von kurzer Dauer.

Von indigenen Wallisern kaufte er die Parzelle Nr. 99 und freute sich auf den Tag, wo er mit 99 Luftballons in sein neues Heim in sein Paradiesli einziehen wollte. Er plante ein einfaches Holzhaus und dachte sich gar vieles aus, wie er im Ort dienlich sein könnte. Er wollte sich integrieren und seinen Beitrag zur Dorfgemeinschaft leisten. So dachte er sogar darüber nach, ob er auf seinem Land 99 nicht einen öffentlich zugänglichen Park errichten könnte.

Der Traum platzte wie die Luftballons es in der Höhe auch oft tun. Als Grüezi und Üsserschwiizer wurde ihm signalisiert, dass seine Pläne nicht mit den Ansichten der lokalen Obrigkeit zu vereinbaren waren. Total frustriert zog er sich zurück und versuchte die Parzelle 99 wieder zu veräussern. Kuriose Geschichten ereigneten sich nun und 99 wurde zur Lachnummer und Sage weit über das Dorf hinaus.

Bald darauf verstarb der Grüezi aus der Üsserschwiiz voller Gram und Enttäuschung. Seither geschehen in Terbil mehr als kuriose Vorkommnisse. Der Alte geisterte in Vollmondnächten offensichtlich auf 99 umher und versetzte nicht nur die Behörden in Angst und Schrecken. Einer jungen Frau namens Heidi, die ihren Hund auf 99 Gassi führte, flösste der Geist des Grüezis einen solchen Schrecken ein, dass sie fortan 99 in einem grossen Bogen umlief.

Einmal gab es ein Fest wo die Kinder 99 Luftballons mit ihren Adressen versehen losfliegen liessen. Nicht zu verstehen und wunderlich war, dass sie alle anonyme Post mit der Aufforderung erhielten, sie sollten sich am ersten Maisonntag zur Mittagszeit auf der Parzelle 99 treffen, denn dort warte eine gute Fee auf sie. Nicht allen Kindern wurde von ihren Eltern erlaubt, sich nach 99 zu begeben. Zu unheimlich erschien ihnen die Geschichte,

Wer mutig war und die Erlaubnis hatte, der begab sich voller Hoffnung auf eine Erlebnis nach 99. Dort begrüsste eine freundliche Fee jedes Kind und übergab ihm einen Luftballon, an dessen Schnur ein kleines Päckchen hing. Die nette Fee sagte: «Nehmt das Geschenk mit nachhause und öffnet das Päckchen zusammen mit den Eltern, öffnet es auf keinen Fall hier auf 99.» Einige Kinder konnten nicht widerstehen und öffneten die kleine Schachtel noch auf 99, Sie fanden alle einen Knopf, der genau zu ihrem Gewand passte. Die folgsamen Kinder gingen nachhause und siehe da, die Schachtel hatte sich in eine kleine Schmuckschatulle verwandelt, die eine wertvolle Goldmünze enthielt. Seitdem spricht man in Terbil, 99 betreffend, nur noch vom Fee-Paradiesli.



An einer renommierten amerikanischen Universität, da gab es eine Doktorandin, die wagte eine Doktorarbeit in "Human Behaviour - specialty Inbreeding", auf Deutsch "Menschliches Verhalten im Speziellen der Inzucht". 

Sie forschte weltweit vor allem bei indigenen Völkern, welche in kleinen Gruppen in schwer zugänglichen Regionen lebten. Sie fand heraus, dass sich die Reinrassigen Vor- und Nachteile in ihren Genen verankert haben.

Eine herausragende Eigenschaft ist die starke Wehrhaftigkeit gegen fremde Eindringlinge in die abgeschottete Gruppe. Jeder und jede ist mit jedem und jeder blutsverwandt und was nicht aus der Sippe hervorgeht, wird als grosse Gefahr wahrgenommen. Zur Behebung von internen Zwistigkeiten dient am einfachsten ein gemeinsamer Feind, der die das Fremde und Unbekannte. Auch sichtbare Erbkrankheiten seien nachzuweisen.

Dass ganze Menschentypen, wie z.B. die Neandertaler an der Inzucht gescheitert sind und verschwanden, das sei geschichtlich sowie wissenschaftlich belegt, schrieb die Doktorandin in ihrer Arbeit. Ähnliches widerfuhr und drohe auch anderen indigenen Völkern, die einsam und in Inzucht lebten.

Der Professor und Doktorvater beharrte darauf, dass die Untersuchungen auch sehr erfolgreiche Länder mit einer hohen Kultur betreffen sollten. Also begab sich die Forschende nach Japan und die Schweiz, wo sie explizit nach inzuchtmässigen Strukturen suchte. Es war nicht einfach, denn in den letzten hundert Jahren veränderte die Wirtschaft und vor allem der Tourismus auch die abgelegensten Gebiete. Doch in der Eidgenossenschaft fanden sie tatsächlich noch Ortschaften, wo praktisch die ganze Bevölkerung eng blutsverwandt ist.

Neugierig reiste sie auf Empfehlung von Bern in Wallis um solche indigenen Menschen über das Thema zu befragen. Abseits der Hauptrouten fand sie was der weitgereiste Professor wohl vermutetet.

Was ihr in den Weilern bald auffiel war, dass sie dort nie ins Haus gebeten wurde, die Gespräche fanden immer im Freien statt. Für die junge Amerikanerin war dieses Verhalten sehr fremdartig. Weiter wurde ihr klar, man ist verschlossen und gibt nur sehr widerwillig Auskunft über Angelegenheiten im Dorf. Was die Namensregister belegten war eindeutig, es herrschen noch heute eine tiefe Inzucht und die Angst vor allem Fremden. An den Haustüren war nur wenig ersichtlich, den meist gab es weder Namensschilder noch Hausglocken, man klopfte an.

Den Namen des untersuchten Ortes im Vispertal hat die Doktorandin nur in den Fussnoten erwähnt, denn sie wurde mehrmals unsanft bedroht und aufgefordert, das museale 350 Seelen Dorf auf über 1500 m Höhe, unverzüglich zu verlassen. Auch auf der nur temporär geöffneten Ortsschreiberei war man nicht glücklich über ihre Fragen und gab, wenn überhaupt, nur Bruchstücke und oft auch wissentlich falsche Auskünfte.

Um welches schmucke Dorf es sich handelt, das überlässt die satirische Sage den schwarznasen Zuhörern und schwarzhals Lesern. Einige Eringer werden heimlich muhen.

Bei der feierlichen Verleihung des Doktortitels sprach die geehrte Forscherin auch über das seltsame Dorf im schweizerischen Wallis. «Was besonders hervortrat war die Tatsache, wenn es um die Chance von einem Fremden viel Geld zu gewinnen ging, dann waren die sonst wortkargen Menschen plötzlich hellwach und extrem gierig». Auch der exzessive Alkoholgenuss wurde von ihr erwähnt. Den Wortführern sprach sie eine heimliche Neigung zum Narzissmus zu, Man kann es ihr nicht verargen, denn schliesslich studierte sie "Human Behaviour".



Auf einer stark befahrenen Strasse in einem Seitental des Wallis, da wurde welch Unglück, eines Nachts ein Wolf von mehreren Fahrzeugen überfahren. Der herbeigerufene Wildhüter war nicht sehr betrübt und gab den übel hergerichteten Kadaver, wie gesetzlich verordnet, zur Untersuchung an den Tierarzt.

Als Todesursache wurde festgehalten, der Wolf hätte sich wohl in einer Zone mit bleihaltiger Luft aufgehalten, dass er mehrfach überfahren wurde, sei nicht primär schuld an seinem tragischen Ableben.

Es ist im Wallis ein anerkanntes Hobby, bleihaltige Luft zu erzeugen. Die Üsserschwiizer sprechen respektlos von Wilderei, was natürlich eine unverständliche Beleidigung für die Büchsenträger ist. Etwas mehr Respekt für die freie Ausübung des Jägerlebens wird gefordert. Immerhin kommen wegen dem Jagdfieber auch durchaus ehrenwerte Bürger um. Zuviel bleihaltige Luft ist ungesund und fordert leider auf beiden Seiten immer wieder bedauernswerte Opfer.



In einer feinen Walliser Seniorenresidenz da lebte ein Dramatiker, der sich in der kleinen Welt seiner ehemaligen Gemeinde gut auskannte. Als ehemaliger Tschugger wusste er stets was, wie, wo und wann so ablief und er kannte praktisch alle Politiker.

Einem Besucher, der sich um die Rechte eines Theaterstückes bemühte, sagte er unumwunden: «Solange ich mich erinnern kann, waren alle Gewaltshaber im Dorf grosse Vaganten. Alle schauten nur für sich und ihre eigenen Vorteile, das war früher so und es ist bis heute so geblieben.». Der Fremde und ortsunkundige Theatermann war bar erstaunt über das Fazit des betagten Tschuggers. Er dachte, ob Dramaticker, Fanaticker, Romanticker, Opticker, Analyticker, Neuroticker, Staticker, Kriticker, Eroticker  oder Politicker, alle übertreiben und nehmen es mit der Wahrheit nicht so genau. Ja es gibt wirklich viele Ticker, einige sind nützlich, andere weniger, am wenigstens die Politicker.

Der Handel der Rechte wurde per Handschlag gemacht und das Volkstheaterstück "Der Polticker" wurde mit grossem Erfolg Land auf und ab aufgeführt. Nur in der besagten Gemeinde, da wollte der Theaterverein nichts davon wissen, denn der aktuelle Gemeindepräsident war ein mächtiger Politicker.



In den Suonen des Wallis fliessen nicht nur heilige Wasser. Einmal im Frühjahr wurde von der Obrigkeit per Datum und Uhrzeit das Fliessen der heiligen Wasser bekannt gemacht. Der Besitzer einer kleinen Weide machte sich früh am Morgen auf um sein versprochenes Wasser auch breit auf die Gräser zu verteilen.

Als er auf seine Parzelle kam, da erblickte er ein seltsames Wesen neben dem Schieber für das Wasser sitzend. Das kleine Männchen hatte glühende Augen, Hörner wie ein Ziegenbock und an den Händen und Füssen so eine Art von Hufe.

Der mutige Bauer fragte den Leibhaftigen, «was zu Teufel machst Du hier?» Dieser antwortete: «Ah du kennst mich, ich warte auf das Blut der Wasserherren.»

Der Bauer erschrak und machte sich davon. Weiter oben begegnete er einem Kollegen, der berichtete aufgeregt, dass in der Suone tiefrotes Wasser fliessen würde.



Meteorologen sagen, von Montag auf Dienstag sei die wärmste Mainacht gewesen, seit es Aufzeichnungen gibt. Kam noch dazu, dass es eine Vollmondnacht ohne Bewölkung war. Der Mond beleuchtete die Szene und er versank um 05:30 Uhr hinter dem Weisshorn. Es war frühe Morgendämmerung und mit Ausnahme einiger weniger Frühaufsteher war niemand unterwegs in den engen Gassen und Treppen von Terbil. Vielleicht genau deshalb, geschah ein seltsames Ereignis, von dem heute praktisch jeder Törbjer behautet er habe es aus eigenen Augen gesehen und miterlebt. In Tat und Wahrheit waren es aber nur sechs Personen, den nackten Mann eingerechnet, um den es bei dieser Sage geht. Kari - ein Postautochauffeur, der gerade den Frühkurs aus Stalden zurückfuhr; Claudia - die mondsüchtig ist und die die frisch gepflanzten Geranien begoss; Jürgen Ė der in Visp unten bei der Lonza arbeitet; Peter - ein Bauvorarbeiter der vom Schichtwechsel nachhause kam; Marie Ė war im Dorfladen mit dem Einräumen der Tagesbestellungen beschäftig und eben noch der nackte Mann Namens Kudi; das waren die sechst, die die folgende Sage authentisch erzählen können. Alle anderen sind Nacherzähler, die das gehörte mit eigen Dichtungen ausschmücken, die sich so nicht zugetragen haben können. Kari war gerade unter dem Dorf in den engen Kurven der Felswand entlang unterwegs, als es plötzlich laut zu rauschen begann, dunkel wurde und ein riesiger Adler vorbeiflog. So einen gigantischen Vogel hatte Kari in seinem Leben noch nie gesehen und es auch für absolut unmöglich gehalten, dass ein Tier die Grösse eines Flugzeugs haben könnte. Bei der nächsten Ausweichstelle hielt er den Bus an, rieb sich die Augen und konnte nicht verstehen, was er gerade gesehen hatte. Claudia die auf dem Balkon gegen Süden gerichtet ihre Blumen begoss erschrak dermassen, dass sie die Giesskanne fallen liess und ihre Brille in den Geranien verschwand. Was war denn das? Das Objekt das sich über die Dächer vom Unterdorf hinweg schwang, es war tatsächlich ein Raubvogel, doch der krumme Schnabel hatte die Grösse eines Baggers und die Schwingen erzeugten einen solchen Luftwirbel, dass viele Steinplatten von den Dächern gefallen sind. Jürgen, ein als solcher kühle Kopf, erschrak derart ab dem lebenden Flugobjekt, dass er die Kontrolle über seinen Wagen verlor und glücklicherweise nach innen zum Hang steuerte. Ausser Blechschaden und einem temporären Schleudertraume ging die Sache glimpflich aus. Als Spätfolge musste er aber zu einem Psychotherapeuten in die Kur, denn er verstand die vorher geordnete Welt nicht mehr. Peter hatte als robuster Kerl keine Zweifel, der Weltuntergang stand vor der Türe. Dieses ausserirdische Wesen, er hat es je selbst gesehen und gehört welche furchterregenden Schreie es ausstiess, dieses Ding wie er es nannte, konnte kein gutes Zeichen sein. Peter fuhr schnellstens zu seiner Familie und berichtete der ganzen Sippe, was er gerade leibhaftig erlebt hatte. Guter Rat war teuer. Marie schrie so laut sie konnte um Hilfe, denn im Laden fielen einige Gestelle um und es schüttelte das Haus wie bei einem Erdbeben. Das Licht ging aus und kurz konnte sie die Hand nicht vor den Augen sehen. Sie rannte aus dem Laden auf die Strasse und sah noch, wie sich das Ungeheuer über dem Bachtoli drehte und Richtung Furen davon glitt. Der Herr Pfarrer hatte grösste Mühe, Marie wieder zu Sinnen zu bringen.Die Schüler die vom Oberdorf hinunter zur Schule unterwegs waren, sie hatten natürlich schon vom übergrossen Adler gehört und waren vorsichtig unterwegs. Als beim Brunnen vorbei kamen entdeckten sie im Wasser einen schneeweissen nackten Mann liegen. Sie erschraken nicht weil er nackt war, sondern weil der Körper vermutlich eine Leiche sei. Sie riefen um Hilfe und bald war eine ganze Gruppe von Erwachsenen dabei, den toten Mann aus dem kalten Wasser zu ziehen. Ein Wunder geschah, der Mann spie Wasser aus dem Mund und begann schwach zu atmen. Er lebt, er lebt, doch wer ist er? Schnell wurden Decken herangeschafft, man trug ihn auf den Parkplatz beim Hotel Weisshorn und wartete, dass der Ambulanzhelikopter bald erscheinen würde. Grosse Diskussionen gingen in der Runde, wo ist der Gemeindepräsident, sollte man die Polizei rufen, gibt es einen Arzt, aber vor allem, wer ist der Mann. Der Notarzt kam angeflogen und alsbald wer der weisse Mann verladen und flog Richtung Spital Visp davon. Etwas später erschien ein Streifenwagen der Polizei und die diversen varianten der Geschichten mit dem Adler und dem Mann wurden zu Protokoll gegeben. Keine zwei ähnelten sich, so dass der Polizist zu seinem Kollegen sagte, das macht keinen Sinn, hauen wir ab und warten bis der Mann in Visp eine Aussage machen kann. Als der Unbekannte im Spital erwachte, da versuchten die Behörden mit ihm Kontakt aufzunehmen. Es schien, wie wenn er nichts hören würde und auch nicht sprechen konnte. Er gab nur Greifvogelartige Laute von sich. Ärzte und Polizei waren hilflos und wussten nicht, was man mit dem Mann anfangen sollte. Als man gegen Morgen wieder zur Kontrolle in sein Zimmer kam, da stand das Fenster weit offen und vom Patienten fehlte jede Spur. In der Krankenakte stand «der Patient ist ausgeflogen» Es beliebt zu erwähnen, der ominöse Adler wurde in Törbel seither auch nie wieder gesehen.


Ein Grüezi kam erstmals nach Törbel und suchte nach einer korrekten Antwort zu einer für ihn wichtigen Frage. Also sprach er den Pfarrherrn mit der Bitte an, «wem im Dorf kann ich zu 100% vertrauen». Der Geistliche runzelte die Stirn und antwortete: «Schwierige Angelegenheit. Hier im Dorf ist jeder mit jedem irgendwie verwandt und jeder weiss eigentlich alles zu allem. Um was geht es denn?» Der Fremde meinte, das tue nichts zur Sache. Darauf flüsterte der Pfarrer dem Grüezi ins Ohr, «ganz vertrauen kannst Du eigentlich nur den Postautochauffeuren, denn sie setzten ihr eigenes Leben aufs Spiel». Gleich neben der Kirche gab es eine Bushaltestelle. Der Fremde nahm, dem Fahrer vertrauend, den nächsten gelben Wagen nach unten und wurde in Törbel nie mehr gesehen.



In einem als solches verträumten Bergdorf gab es einmal einen schriftgelehrten Ratsherrn, der dank seinen Fähigkeiten immer wieder neue zwingende und neuerdings auch freiwillige Anweisungen an seine Mitbürger*Innen erdachte. Da der Verkehr im Ort ständig zunahm und auch rücksichtsloser wurde, da wurde im allmächtigen Rat Handlungsbedarf angemeldet. Der Gelehrte ersann die geniale Formel, dass bei den Ortseinfahrten Tafeln aufgestellt werden, die zu einer freiwilligen Tempobeschränkung auf 30 km/h ermahnten. An Wochenenden und Feiertagen sowie speziellen Anlässen wird von Motorrädern und schicken Cabriolets zügig durch das Dorf gerast. Freiwillig Tempo 30 km/h, das interessiert offensichtlich beinahe niemand grossartig. Auch während der Woche fahren die SUVís der einheimischen Damen recht zügig durch die engen Gassen. Freiwillig, was ist das?



Wohlerzogene Törbjer die auch einige Jahre zur Schule gingen und die beinahe vor Neugierde platzen, stellen keine direkten Fragen, da dies im Ort als unhöflich und nicht besonders schicklich gilt. Eine Person, von der das ganze Dorf weiss, dass sie unheilbar krank ist, fragt man grundsätzlich nie «wie geht es Dir». Die lokal korrekte Formel lautet «darf man fragen wie es Dir geht?». «Darf man fragen, warum, wieso, weshalb?» In Törbel gab es einmal eine überall bekannte Schwatztante, die alle die ihr begegneten mit «darf man fragen Ö» löcherte. Eines Tages traf sie auf einer steilen Treppe einen Grüetzi und prompt kam der Satz «darf man fragen was Du hier suchst?». Der Üsserschwjizer antwortete wie folgt: «Ja fragen darfst Du grundsätzlich schon und ich darf Dir sicher auch antworten. Bei uns vor den Bergen sagt man, wer hier nichts verloren hat, der hat hier nichts zu suchen. Also zurzeit ich suche nichts, da ich es soeben gefunden habe, die 20Sekunden Redaktion von Törbel.» Wie es kam, dass man heute in Törbel auf die Frage "darf man fragen ..." oft die Antwort erhält, "20Sekunden", das kann nicht mehr ermittelt werden.

Der Fundus ist gross

Wer sich in Törbel umhört und dabei nicht nur Wasser trinkt, der vernimmt noch manche Sage, die eines Tages hier veröffentlicht wird.


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